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Droht eine Rote Karte für die Kreislaufwirtschaft? – DGAW-Pressemitteilung vom 04.03.2020

Pressemitteilungen

Droht eine Rote Karte für die Kreislaufwirtschaft?

 Ressourcen neu denken – Altpapier

Bislang galt das Papierrecycling mit einer hohen Erfassungs- und Recyclingquote als Beleg einer hochentwickelten Kreislaufwirtschaft. Der Markt für Altpapier ist aber überschwemmt, die Preise fallen und die Lager sind voll. Es gibt erste Anfragen zur energetischen Verwertung von Altpapier, insbesondere von Beständen, die bereits länger gelagert wurden und dadurch kaum noch in der Papierproduktion eingesetzt werden können. Aktuell sollen in Europa über 8 Mio. t Altpapier mit den entsprechenden Brandrisiken vagabundieren. Die Preise und Abnahmemöglichkeiten sind verfallen. Die Gründe für den Überschuss sind vielfältig:

Nicht nur Chinas Importstopp bzw. die scharfen Qualitätsanforderungen an Altpapierimporte (Störstoffgehalt unter 1%) sind verantwortlich, sondern ebenso das aktuell preisgünstige Holz. Vielerorts werden aufgrund der Käferausbreitung und der Dürre vermehrt Bäume geschlagen. Die frische lange Faser ist reichlich und billig vorhanden, so dass der Bedarf an kürzeren Sekundärfasern deutlich gesunken ist.

Die Forderung nach quasi störstofffreiem Altpapier verhindert zusätzlich, dass Altpapier ohne Notifizierung in andere Länder der EU exportiert werden kann, um dort verwertet zu werden.

Dass auch das „Virgin-Material“ Holz mit Störstoffen, z. B. Harzen, verunreinigt ist und dieser „Störstoffgehalt“ häufig weit über 1% beträgt, bleibt unberücksichtigt. Denn die Handelsbeschränkung gilt nur für den „Sekundärrohstoff“ Altpapier, was die Kreislaufwirtschaft behindert.

Was wäre also der klimafreundlichste Umgang mit der Situation? Altpapier verbrennen, das aber bereits verarbeitet wurde und damit CO2 verbraucht hat? Nein, besser gleich das überschüssige Holz in Biomasseheizkraftwerken thermisch verwerten, das spart das CO2 für den Papierherstellungsprozess. Klingt nach Irrsinn? Ist es auch!

Die DGAW fordert deshalb eine Gleichstellung der Rohstoffe anhand von Qualitätskriterien, unabhängig von deren Ursprung – zur Förderung von Umwelt- und Klimaschutz!

Der Vorstand der DGAW e.V.